Didaktisches Konzept

Erfahrungsgemäß tun sich Schüler sehr schwer, ihr mathematisches Grundwissen lückenlos parat zu halten. Das hat viele Gründe:

  1. Sie haben nur selten geeignetes Material, um ihr Grundwissen zu pflegen (Alte Bücher wurden abgegeben, alte Heft weggeschmissen, anderweitig angeschafftes Material ist nicht zielgerichtet genug und macht die Arbeit schnell ausschweifig, sinnvolle Materialien wieder zu besorgen kriegen sie nicht gebacken).
  2. Die Schüler tun sich schwer, ihre Defizite selbstständig zu diagnostizieren und diese zeitnah zu beheben (Die Zuordnung einer Schwierigkeit oder eines in einer Arbeit beobachteten Fehlers zu Jahrgang und Thema ist ebenso schwer wie die Disziplin diesen Fehler mit dem zur Verfügung stehenden Materials gezielt zu beheben).
  3. Die Erfahrung und Arbeitstechnik, in sinnvollen Intervallen zu wiederholen, ist nicht vorhanden.
  4. Motivation und Disziplin, am Ball zu bleiben, fehlt oft (im schlimmen Wechselspiel mit fehlenden Erfolgserlebnissen).
  5. Es fehlt die Erfahrung für Prioritäten (was kommt immer wieder und ist abschlussprüfungsrelevant und welches Thema geht vorüber ohne allzu großen Schaden). Auch sehr fleißige Schülerinnen machen mit subrelevantem Material oft die frustrierende Erfahrung, dass es schnell uferlos wird.
  6. Wird ein Thema von einer Schülerin wiederholt, dann dauert es oft lange, bis genau das wieder dran kommt. Sie macht dann die Erfahrung: "So wichtig war das ja nicht" oder "Meine Mühe bringt ja eh nichts".

Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Kopiervorlagen hab ich jetzt im Schuljahr 2009/2010 mit Wochenübungsblättern angefangen und sie folgendermaßen benutzt:

  1. Wie der Name sagt, gibt es in den Klassen 8, 9, 10 jede Woche ein Blatt mit Lösungen und ggf. Erläuterungen.
  2. Die Blätter enthalten nur abschlussprüfungsrelevanten Stoff.
  3. Die Aufgaben, sind leicht und daher selbstständig zu Hause zu bewältigen.
  4. Der Umfang ist stets ein rückseitig kopiertes DINA4-Blatt und in einer Woche zusätzlich zum aktuellen Stoff und zu aktuellen Hausaufgaben zu bewältigen.
  5. Die Blätter bauen so auf, dass gerade geübte Blätter in den nächsten angewendet werden und sind so terminiert, dass sie im Unterricht drankommen. Das schafft die Erfahrung: "Ich kann das brauchen!" (z.B. Vor dem Ausklammern werden Produkte wiederholt, die dann als Teilaufgaben gebraucht werden, ...)
  6. Bei jeder komplexeren Aufgabe nenne ich bei den Teilschritten Jahr und Thema: (z.B. nach einem Ansatz einer Textaufgabe: "So, und jetzt ist's nur noch 7. Klasse - Gleichungen lösen". Oder bei einer Verhältnisgleichung: "Jetzt kreuzweise multiplizieren - 8. Klasse - Bruchgleichungen ...". Das schafft Bewusstsein für die Wichtigkeit des Grundwissens und hilft bei der Einordnung der eigenen Schwächen. Im Nu wissen die Schüler, wo sie Nachholbedarf haben und welches Übungsblatt passt.
  7. Jede Woche am selben Wochentag gibt es ein schriftliches Abfragen des vergangenen Übungsblattes und das neue Übungsblatt. 5 leichte Aufgaben; 3 Minuten; 0 Fehler = 1; 1 Fehler = 2; ... . Ich pick mir 3 - 4 Schülerinnen raus, die korrigiert werden. Die Blätter werden sofort verbessert und synchron korrigiert. Die Schülerinnen bekommen die korrigierten Blätter sofort zurück. Alle Heften sie zu dem zugehörigen Übungsblatt. Das schafft Verbindlichkeit, bringt 10 Minuten pro Woche für Grundwissen und ein paar mündliche Leistungen für eine Poolnote ähnlich den Wortschatzabfragen bei den Sprachenlehrern.
  8. Hat eine Schülerin eine schlechte Note, wird sie ein paar Wochen hintereinander korrigiert, bis sie regelmäßig mitmacht.
  9. Mit der thematisch sortierten Gesamtliste, kann man auch selbstständig Themen anpacken.
  10. Der Stoff vor der 8. Klasse ist jeweils thematisch zusammengefasst. Zum Beispiel ist das Thema "lineare Gleichungen" nur ein Thema und nicht mehr nach Jahren 5 - 7 aufgegliedert. Das schafft Übersichtlichkeit.